Verbot von Strohhalmen und Plastikbesteck

Plastikbesteck und Strohhalme verboten

Maßnahmen der EU-Kommission zur Vermeidung von Plastikmüll

Um dem weltweiten Klimawandel und der zunehmenden Plastikverschmutzung entgegenzuwirken, hat die EU-Kommission dem Europaparlament Gesetzesänderungen zur Abstimmung vorgelegt, nach denen diverse Einweg-Plastikprodukte in naher Zukunft verboten werden sollen. Die ersten Verbote und Recycling-Änderungen sollen bereits innerhalb der nächsten 3 Jahre in Kraft treten.

Der Klimawandel zeigte sich gerade in jüngster Zeit von seiner verheerenden Seite: Tausende Hektar große Waldbrände in Kalifornien, ein schwerer Sturm wütet an den Küsten Teneriffas und auch wir in Deutschland konnten die Auswirkungen am eigenen Leib erfahren: Einem strahlender Sommer mit endlosen Hitzetagen, dem von einem Tag auf den anderen ein jäher Wetterwechsel sowie Temperaturen im einstelligen Bereich folgten. Es lässt sich nicht länger ignorieren: Die Wetterextreme nehmen auf der ganzen Welt zu: Extreme Dürre, monsunartige Regengüsse, Stürme, Unwetter – eine Gefahr für Mensch, Tier und das gesamte Leben auf diesem Planeten.

Schuld daran ist der Klimawandel, der sich nach Expertenmeinung nur noch durch ein aktives Eingreifen der Menschheit aufhalten bzw. eindämmen lässt. Und damit ist vor allem ein Umdenken hinsichtlich der Umweltverschmutzung dringend erforderlich. Müllberge sind nicht nur an Land zu finden, sondern auch in den Meeren und zwangsläufiger Weise auch in den Tieren, die unwissentlich vor allem den nicht zersetzbaren Plastikmüll zu sich nehmen und elendig zu Grunde gehen. Erst vor kurzem wurde ein Wal mit unglaublichen sechs Kilogramm Plastik im Bauch gefunden. (Quelle: faz.net) Und vor wenigen Wochen wurde erstmals auch Mikroplastik im Körper eines Menschen festgestellt. (Quelle: sueddeutsche.de) Es ist also höchste Zeit für uns und diese Erde unseren Umgang mit Abfällen zu überdenken. Denn dieser wird nicht weniger, sondern mit der stetig steigenden Population von bereits über 7.000.000.000 Menschen (Stand worldometer.info Ende November 2018) nur mehr.

Das Umdenken beginnt

Erste Projekte haben bereits begonnen: Dazu gehört beispielsweise The Ocean Cleanup, eine schwimmende Vorrichtung aus Kunststoffrohren, die am Nordpazifikwirbel gegen die sich hier angesammelten und im Wasser treibenden Müllberge eingesetzt wurde. Entwickelt und überlegt hat sich diese Konstruktion der heute 24jährige Niederländer Boyan Slat. Innerhalb von fünf Jahren sollen so 50% des Mülls im Pazifik abgesaugt werden, jedoch gibt es derzeit noch Optimierungsbedarf hinsichtlich der Konstruktion. Kritiker bezeichneten das Projekt bereits als gescheitert, jedoch äußerte sich Slat dazu wie folgt auf Twitter: „Nur eine Erinnerung für die Medien (und Kritiker), die Spaß daran haben zu schreiben ‚The Ocean Cleanup funktioniert nicht‘: Die meisten Aspekte des Konzepts wurden bestätigt (Windausrichtung, Plastik auffangen, Wellen folgen) – es bewegt sich nur noch nicht schnell genug. Das lässt sich beheben.“ (Quellen: twitter.com, utopia.de)
Auf der Internetseite des Unternehmens theocleanup.com kann man den Meeresstaubsauger auf einer interaktiven Karte verfolgen sowie dessen Funktionsweise nachvollziehen.
Hierzulande haben weiterhin haben die Supermarktketten Penny, Lidl und Rewe die Einweg-Plastiktüten an den Kassen abgeschafft und planen auf weitere Plastikprodukte zu verzichten. (Quelle: tagesspiegel.de) Frankreich setzte bereits im Jahr 2016 ein Verbot von Plastiktüten durch und sprach von einem geplanten Verbot von Einweggeschirr ab 2020. (Quelle: sueddeutsche.de)

Und auf politischer Ebene vollziehen sich nun auch in ganz Europa Gesetzesänderungen hinsichtlich des Plastikmülls. Eine entsprechende Abstimmung darüber gab es im Europaparlament Ende Oktober diesen Jahres, nachdem die EU-Kommission bereits im Mai des gleichen Jahres ein entsprechendes Umdenken angestoßen hatte. (Quelle: tagesspiegel.de)

Für welches Plastik gelten die Verbote?

Die EU-Kommission möchte einen europaweiten Strategiewechsel hinsichtlich des Plastikmülls in der Kreislaufwirtschaft bewirken. Nach der Gesetzesvorlage beim Europaparlament veröffentlichte dieses am 24. Oktober 2018 eine Pressemitteilung mit folgenden Schwerpunkten:

  • Diverse Produkte aus Einweg-Kunststoff sollen verboten werden
  • Das Verbot soll auf oxo-abbaubare Materialien und bestimmte Styroporarten ausgeweitet werden
  • Kunststoffe ohne Alternativen müssen bis 2025 um mindestens 25% verringert werden
  • Maßnahmen gegen Zigarettenfilter und verlorenes Fischereigerät sollen ergriffen werden

Laut der Pressemitteilung des Europaparlaments bestehen über 70% der Abfälle in den Meeren aus Produkten aus Einweg-Kunststoffen. Aus diesem Grund sollen etliche dieser bereits ab 2021 europaweit nicht mehr zu kaufen sein bzw. produziert werden. Dazu zählen:

  • Wattestäbchen
  • Plastikbesteck und -geschirr (Becher, Teller, Einwegbesteck)
  • Strohhalme
  • Plastikstäbchen (zum Umrühren von Getränken etc.)
  • Haltestäbe für Luftballons
  • Produkte aus oxo-abbaubaren Materialien (dazu zählen Plastikverpackungen und -beutel)
  • Produkte aus expandiertem Polystrol (wie beispielsweise Fast Food-Behälter)

Für diese Produkte lassen sich durchaus (Mehrweg-)Alternativen aus nachhaltigeren Materialien finden, die diese Produkte ersetzbar machen.

Für Plastikprodukte, die nicht ohne weiteres durch eine Alternative ersetzt werden können wie Burgerboxen oder bestimmte Lebensmittelbehälter gilt, dass die Mitgliedsstaaten der EU diese bis 2025 um 25% reduzieren sollen. Stattdessen sollen Produkte zur Mehrfachnutzung produziert werden und die zu entsorgendenden Plastikprodukte besser recycelt werden. Aktuell werden beispielsweise gerade einmal 25% der PET-Flaschen wiederum zu neuen Flaschen verarbeitet. Laut des Naturschutzverbunds Deutschland entsteht jährlich um die 450.000 Tonnen Abfall allein durch PET-Flaschen. Dies soll nun mithilfe neu zu erarbeitender Recyclingpläne europaweit geändert werden.

Eine weitere, unterschätze Umweltverschmutzung geht laut der Pressemitteilung des Europaparlaments von achtlos weggeworfenen Zigarettenstummeln aus: Ein einziger Zigarettenrest reicht aus, um 500 bis 1000 Liter Wasser zu verunreinigen. Laut Europaparlament handelt es sich bei Zigarettenstummeln um eines der am häufigsten weggeworfenen Einwegprodukte aus Kunststoff. Bei der angestrebten Reduzierung der weggeworfenen Zigarettenstummel soll die Tabakindustrie selbst die Kosten für die Abfallsammlung dieser tragen, ebenso wie die Hersteller von Fischfanggeräten für deren Produkte, von denen jährlich zahllose in den Meeren verloren gehen und die zu einer Gefahr für vorbeischwimmende Tiere werden.

Für den endgültigen Gesetzestext müssen sich nun die EU-Kommission, das Europaparlament und die Mitgliedsstaaten einigen und diesen in ihre jeweiligen Staatsgesetze aufnehmen. Da augenscheinlich weitestgehend Einigkeit über die Notwendigkeit dieser Gesetzesänderungen herrscht (laut des Europaparlaments gab es 571 Fürsprecher, 53 Gegenstimmen und 34 Enthaltungen) ging man zu diesem Zeitpunkt davon aus, dass es bereits im kommenden Jahr zu einer Einigung kommen wird. Und tatsächlich trafen sich bereits im Dezember 2018 die Unterhändler von Europaparlament und EU-Staaten, um die Einzelheiten zu besprechen. Nun müssen diese nur noch offiziell bestätigt werden (Quelle: faz.net).

Plastik – Allroundtalent und Umweltzerstörer

Wenn Plastik für die Umwelt so viele Probleme bereitet, warum wird es dann überhaupt genutzt? Die Antwort ist recht einfach: Kunststoff ist preiswert, haltbar und lässt sich vielseitig einsetzen. Man findet es nicht nur in Verpackungen oder Einwegprodukten, sondern auch in Kleidung, Kosmetika und Haushaltsgegenständen. Zwar ist es sowohl möglich Alternativen zu finden als auch bereits gebrauchtes Plastik zu recyceln, jedoch ist die Realität eine andere: Laut dem Tagesspiegel werden allein in Deutschland lediglich 36% der Plastikabfälle weiterverarbeitet, einfach weil es für die Unternehmen günstiger ist neuen Kunststoff zu produzieren.

Jedoch zeigen sich die Folgen dieser Einstellung an der zunehmenden Verschmutzung, am Klimawandel und den Funden von Mikroplastik in Umwelt und mittlerweile auch in Lebewesen. Damit soll nun zumindest in Europa Schluss sein.

Mehrwegprodukte, statt Einweg – vom Holzstrohalm bis zum Nachhaltigen To-Go-Becher

Nach den vorgelegten EU-Richtlinien stellt sich natürlich die Frage, was diese Neuerungen für die Wirtschaft bedeuten werden. In der Kunststoffindustrie ist nun Umdenken und Innovation gefragt. Dies birgt lukratives Potential, da beispielsweise die kostenintensive Verbrennung von Kunststoffabfällen reduziert wird sowie auch der dabei entstehende CO2-Ausstoß.

Erste Unternehmen ziehen bereits ihre Konsequenzen: Angefangen bei Supermarktketten wie REWE und Kaufland, die auf Plastiktüten verzichten und Einweg-Plastikprodukte aus ihrem Sortiment nehmen wollen bis zu internationalen Trend-Unternehmen wie Starbucks und McDonalds, die gemeinsam an der Entwicklung eines neuen, nachhaltigen To-Go-Bechers arbeiten. Starbucks hat zudem angegeben bis 2020 gänzlich auf Strohhalme verzichten zu wollen. (Quelle: tagesspiegel.de)

Und ein jeder von uns kann und sollte etwas für die Umwelt und gegen die Verschwendung von Plastik tun: Mit einem Beutel in den Supermarkt gehen statt sich diverse Tüten verkaufen zu lassen, den eigenen Thermobecher befüllen lassen statt sich einen To Go-Becher geben zu lassen, der nach etwa 5 Minuten im nächsten Mülleimer landet. Auf die Mülltrennung im eigenen Haushalt achten. Und wer die Zeit findet bei kleineren oder größeren Aufräumaktionen an nahegelegenen Stränden, in Wäldern oder Parks mitwirken. Selbst das Aufsammeln von Bonbonpapier bei einem Spaziergang mit dem Hund hilft der Umwelt und gibt ein gutes Gefühl. Jeder kann einen Beitrag leisten.

Die Frage, ob es denn auch ohne Plastik geht, lässt sich nur auf eine Art beantworten: Es muss. Wenn wir die Welt für nachfolgende Generationen erhalten wollen, die Umwelt nicht weiter maßgeblich zerstören und nicht selbst unter den Auswirkungen des Plastikmülls leiden wollen – wie Krankheiten durch Mikroplastik, durch den Klimawandel hervorgerufene Wetterextreme, Ressourcenknappheit und Artensterben – müssen wir diese wichtigen ersten Schritte von der Wegwerf-Gesellschaft hin zu einem nachhaltigen und bewussten Miteinander mit der uns gegebenen Erde gehen. Und das besser früher als später.

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